DER INSZENIERTE MENSCH

 

Im Mittelpunkt des Werks von Maribel Brandis steht der Mensch und wie er sich

selbst inszeniert. Sie bezieht sich dabei auf eine lange Tradition in der Kunst –

und auch in der Fotografie – mit einem Porträt mehr als nur die Ähnlichkeit der

porträtierten Person zu transportieren. Vielmehr ging es dabei immer schon um

Inszenierungen von Macht und Status, Darstellungen nach außen über Rang,

Stellung und Einfluss. Maribel Brandis lenkt ihren Blick dabei auf durchaus am-

bivalente Inszenierungen von Männlichkeit, wie z. B. die prunkvoll verzierten

Kostüme der spanischen Stierkämpfer, und von Weiblichkeit durch moderne

Drag-Queens aber auch ganz allgemein durch die Mode einer jeden Zeitepoche.

Ihr mangelt es dabei nicht an Humor! So zählen die Arbeiten der Serie, in der sie

eigene Familienmitglieder mit Badekappen und Sonnenbrillen zur Selbstinsze-

nierung aufforderte zu ihren besten Bildern.

Ergänzend zur Malerei erlauben die Techniken der Transferlithografie und des

Graffitis Maribel Brandis sowohl eigene Zeichnungen, wie auch eigene Fotos und

Vorlagen aus Zeitschriften zu verwenden, neu zu kombinieren, Muster aufzu-

greifen und schnell zu arbeiten. Dieser Stilmix, bis hin zur Collage, zeichnet ihre

Bilder aus. Damit fängt sie gekonnt unsere Blicke und hält unsere Aufmerksam-

keit in der Betrachtung des Bildes. Maribel Brandis ist eine fleißige Malerin, die

bereits ein umfassendes Werk mit einer virtuosen Malerei hervorgebracht hat,

wofür ich sie sehr gerne zu meiner Meisterschülerin ernenne.

Ute Wöllmann, Akademieleiterin

Berlin, im Juli 2025